Das Blu-ray-Cover von “Frankenstein’s Army” (Quelle: Ascot Elite)
Inhalt: Im Jahr 1944 möchte eine russische Einheit von der Ostfront in Deutschland eindringen. Sie fangen einen Funkspruch einer befreundeten Kompanie ab, die sie um Hilfe bitten. So stoßen sie auf ein merkwürdiges Gebäude, dass allen Soldaten sofort einen Schauer über den Rücken jagt. Im Haus sind nicht die verzweifelten Kameraden. Stattdessen treffen sie dort auf bizarre Wesen, die aus Leichenteilen und Maschinen zusammengeflickt wurden und die sie jetzt angreifen. Bald finden sie heraus, dass dieses Labyrinth der Abscheulichkeiten das eigentliche Ziel ihrer Mission ist.
Hier ist nämlich der ebenso geniale wie verrückte Wissenschaftler Viktor (Karel Roden, „Running Scared“) am Werk, der frei nach seinem Großvater Frankenstein Kampfmaschinen heranzüchtet. Die russische Armee möchte sich eben diese Kenntnisse zu Nutzen machen. Erst nach und nach merken die Soldaten den Ausmaß des Albtraums, in den sie gerutscht sind. Die brutalen Monster nutzen jede Gelegenheit, um sie zu dezimieren und Viktor denkt gar nicht daran, seine freischaffende Tätigkeit aufzugeben. Er sammelt weiter „Ersatzteile“ für seine Maschinen.
Kritik: Die Erfindung des Found Footage-Filmes war für viele Filmemacher ein Segen: Sie konnten mit kleinem Geld einen lebendigen und realistischen Look erzeugen. Der niederländische Regisseur Richard Raaphorst bediente sich mit besten Vorsätzen bei seinem Kriegsfilm-Horror-Mash-Up an diesem Stilmittel. Dabei lässt er einen Soldaten im Film ein (in echt natürlich nicht auf 16mm gedrehtes) Videotagebuch aufzeichnen. Trotz äußerst trashig anmutendem Plot ist ihm die gesamte Umsetzung recht gut gelungen. In der ersten Phase entwickelt er ruhig eine stimmige Atmosphäre, in der die Zuschauer den Alltag der Soldaten in der eisigen Natur, inklusive Leichenfund und einer ersten Schießerei, kennenlernen können. Nach 20 Minuten hat man hier tatsächlich einen durchaus faszinierenden Kriegsfilm. Danach lässt er dann den grotesken Wahnsinn beginnen, was umso unterhaltsamer ist.
Art Department als Star des Filmes
Die Soldaten machen einen grausigen Fund (Quelle: Ascot Elite)
Die wackeligen Kamerabilder sind insgesamt auch für Zuschauer, die es nicht so mit dieser Technik haben, durchaus auszuhalten. Nur in wenigen Szenen wird es dann richtig hektisch (und ein wenig nervig). Ansonsten unterfüttern die Bilder die Atmosphäre sehr gut. Die Stars des Filmes sind aber die grotesken Monster, die als Leichen mit Messerhänden beginnen und im späteren Verlauf immer spektakulärer und kreativ abgedrehter werden. Ein laufender Ventilator ist hier nur eine von vielen großartigen Figuren, die es hier zu bewundern gibt.
Zusätzlich lässt Raaphorst einige sehr treffende Spitzen zum Nazi-Gedankengut des idealen Menschen los. Diese Vorführung funktioniert wesentlich besser als bei vielen anderen Filmen, die sich ironisch mit dieser Zeit auseinandersetzen. Weniger Detailliebe wurde hier in die Charakterzeichnung der Soldaten gesteckt, die eigentlich auch nur Mittel zum Zweck für die Handlung sind. Schauspielerisch kann sich nur Karel Roden wirklich hervortun. Seine Darstellung des „Mad Scientist“ Viktor erinnert streckenweise an den legendären „Re-Animator“ (von Jeffrey Combs gespielt).
„Frankenstein’s Army“ ist ein kleiner Low Budget-Film, der die Erwartungen deutlich übertrifft. Eine ganze Reihe an skurrilen Einfällen und Monsterkreaturen machen diesen ironischen Mix von Horror- und Kriegsfilm zu einem durchaus sehenswerten Erlebnis, dem man kleinere Schwächen gerne verzeiht.
In diesem Haus gehen merkwürdige Dinge vor (Quelle: Ascot Elite)
Der Film ist ab dem 24.09.2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
3,5 von 5 Punkten
Bild: Das Bild erreicht natürlich keine Topwerte, ist aber sehr solide gelungen. Wobei bei einem solchen Film natürlich immer fraglich ist, was gewolltes Stilmittel und was Unzulänglichkeit des Materials ist. Trotzdem: Die Schärfe ist zufriedenstellend, der Zuschauer erkennt alles, worauf es ankommt und die Farben sind etwas blass aber natürlich. Insgesamt ein ordentliches Ergebnis.
3 von 5 Punkten
Ton: Dafür, dass der Film auf einer fiktiven 16mm-Kamera aufgenommen wurde, ist die Qualität der verlustfreien deutschen und der englischen DTS-HD MA 5.1-Tonspur sehr gut ausgefallen. Auch wenn der Ton hier und da ein wenig dumpf wirkt, sind die Dialoge immer gut verständlich. Die Hintergrundgeräusche wurden überzeugend abgemischt, was vor allen bei den Innenszenen zu schönen Effekten führt.
3,5 von 5 Punkten
Extras: Ein sehr ausführliches Making of (31 Minuten) bedeutet einen ordentlichen Mehrwert für die Blu-ray. Ansonsten sind nur noch ein paar Trailer bei den Bonusmaterialien zu finden.
3 von 5 Punkten
Gesamt: 3,5 von 5 Punkten
Quelle: Ascot Elite, YouTube
Originaltitel: | Frankenstein's Army |
Regie: | Richard Raaphorst |
Darsteller: | Karel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym |
Genre: | Horror |
Produktionsland/-jahr: | Niederlande/USA, 2013 |
Verleih: | Ascot Elite |
Länge: | 84 Minuten |
FSK: | ab 18 Jahren |
Offizielle Homepage zum Film: | Der Internetauftritt von "Frankenstein's Army" |
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