Das Blu-ray-Cover von "The Act of Killing" (©Neue Visionen Filmverleih)
Das Blu-ray-Cover von “The Act of Killing” (©Neue Visionen Filmverleih)
Inhalt: 1965 gibt es einen Militärputsch gegen die Regierung in Indonesien. Kurz darauf beginnt die Jagd auf unliebsame Gruppen wie politische Oppositionisten und ethnische Chinesen. Die Menschen werden verfolgt, beraubt, gefoltert und ermordet. Angeheuerte Gangsterbanden töteten im Auftrag der Regierung Millionen von „Kommunisten“ – so der Oberbegriff aller Regierungsgegner. Fast ein halbes Jahrhundert später hat sich Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer mit der Kamera nach Indonesien begeben, um mit den nie verurteilten und gesellschaftlich hoch angesehenen Mördern von damals zu sprechen. Fernab von Reue plaudern die Massenmörder über ihre Taten und erklären sich bereit, Szenen von damals nachzustellen, um „den vollen Umfang ihrer Verdienste“ zu Geltung zu bringen.
Kritik: Über mehrere Jahre arbeitete Joshua Oppenheimer an einer möglichen Aufarbeitung des Völkermordes von damals. An seiner Seite standen zahlreiche Indonesier, die sich wegen der Arbeit an diesem Werk in Lebensgefahr begeben haben, da die Schuldigen immer noch an der Macht oder zumindest geduldet sind. Nachdem der Film im Jahr 2012 fertig gestellt wurde, konnte er aufgrund der gefährlichen Situation der Mitwirkenden zunächst nicht gezeigt werden. Das Endergebnis wurde dann 2013 unter anderem mit einer Oscar-Nominierung und einem BAFTA-Award honoriert. Die Kraft dieses Filmes besteht da drin, dass Oppenheimer nicht einmal groß lenkt, sondern seine Protagonisten einfach gewähren lässt. Im Mittelpunkt steht Anwar Congo – Typ alternder Playboy, der stets gut gelaunt ist und mit jedem klar kommt. Er gibt offen zu, über 1000 Menschen getötet zu haben. Mit fast kindlicher Freude erzählt er von seinen effektiven Methoden, die Kommunisten umzubringen. Fast nostalgisch blicken er und seine Kumpels auf die damaligen Ereignisse zurück.
Anwar und seine Freunde haben eine unvorstellbare Vergangenheit, die ihnen scheinbar nichts ausmacht (©Neue Visionen Filmverleih)
Auch wenn stellenweise zu merken ist, dass die alternden Herren von den brutalen Taten gezeichnet sind, geht ihnen jegliches Schuldbewusstsein ab. Viel eher wirken sie wirklich stolz auf das, was sie getan haben. Die Idee Oppenheimers, die Ereignisse von damals nachzuspielen sehen sie als Möglichkeit, sich noch einmal zu profilieren. Bei all der positiven Stimmung und den stellenweise äußerst skurrilen Szenen, beschleicht den Zuschauer das Gefühl, in einer tiefst schwarzen Komödie gelandet zu sein. Erschreckenderweise handelt es sich aber um nichts als die Realität. In einer Talkshow wird Anwar Congo von der Moderatorin angehimmelt und Minister belobigen die Verdienste von paramilitärischen Gruppierungen. Das Selbstverständnis, mit dem hier mit Gewalt umgegangen wird, ist der eigentliche Schlag in die Magengrube. Oppenheimer ist stets dabei, verurteilt nur selten und spielt ansonsten Fliege an der Wand, was den Film so effektiv macht.
So viel Mut und Courage wie Joshua Oppenheimer und sein Team geliefert haben, um diesen Film zu drehen, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Unter Einsatz der eigenen Sicherheit haben sie dem Publikum einen Einblick in eine Welt gewährt, in die Mörder wie Helden verehrt werden und die eigenen Taten stolz zur Schau stellen. „The Act of Killing“ ist ein ebenso schockierender wie aufrüttelnder Film, den ausnahmslos jeder einmal gesehen haben sollte.
5 von 5 Punkten
Quelle: Leinwandreporter TV, YouTube
Originaltitel: | The Act of Killing |
Regie: | Joshua Oppenheimer |
Darsteller: | Anwar Congo, Haji Anif, Syamsul Arifin |
Genre: | Dokumentation |
Produktionsland/-jahr: | Dänemark , Norwegen , UK, 2012 |
Verleih: | Neue Visionen Filmverleih |
Länge: | 115 Minuten |
FSK: | ab 12 Jahren |
Joshua Oppenheimer erhält dieses Jahr den Phoenix Preis und ist am 01.10.2015 um 14 Uhr im Kölner Gürzenich bei einem Werkstattgespräch persönlich anzutreffen.
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