Inhalt: Bei einem Ausflug nach Berlin lernt Weinverkäufer Wolfgang Samstagabends in einem Kaffee Filmkomparsin Christl kennen. Er verabredet sich mit ihr, am nächsten Tag ein paar schöne Stunden mit ihm, seinem Freund Erwin und dessen Freundin Annie am Wannsee zu verbringen. Als sich die Gruppe am nächsten Tag trifft, fehlt Annie, die verschlafen hat. Dafür hat Christl ihre hübsche Freundin Brigitte mitgebracht. Zwischen Badegängen, Spaß und Grillwürstchen entbrennt schon bald die Eifersucht.
Kritik: Heutzutage ist das Jahr 1929 und die späte Phase der Weimarer Republik in Berlin eine gerne gewähltes Setting, um dort die Handlung verschiedener Filme und Serien zu platzieren. Doch zu dieser Zeit wurden in Berlin auch schon stilbildende Filme gedreht. Eine Gruppe von jungen Leuten, die sich schon durchaus ambitioniert mit dem Medium auseinandergesetzt hatten, wollten das wahre Leben, die Stadt Berlin und die Atmosphäre eines Sommers einfangen. Bei der Premiere im Februar 1930 war das Publikum derart begeistert, dass zeitgleich das Subgenre des Berlin-Films geboren wurde und Beteiligte wie Regisseur Robert Siodmak („Der rote Korsar“) und Autor Billy Wilder („Das Appartement“) den Grundstein für eine große Karriere legten. Nach dem zweiten Weltkrieg stieg das Werk dann schon zum jungen Klassiker auf.
Im Jahr 2014 machten sich die Deutsche Kinemathek und das EYE Filminstitut Nederland an die Aufgabe, eine moderne Restauration des Films umzusetzen. Da die originale Filmrolle nicht mehr existierte, wurde eine kürzere, niederländische Kopie verwendet, die mit dem Material aus anderen Schnittfassungen aufgefüllt wurde. Herausgekommen ist ein runder und toll anzusehender Film, der die bekannten Ecken der Hauptstadt mitsamt sommerlicher Stimmung und dem reinen Lebensgefühl wunderbar einfängt. Natürlich ist der Genuss von „Menschen am Sonntag“ im Jahr 2018 ein zweischneidiges Schwert. Das Werk leistet merklich Pionierarbeit und bringt das deutsche Kino seiner Zeit deutlich nach vorne. Gerade die Kameraarbeit von Eugen Schüfftan, der über 30 Jahre später für „Haie der Großstadt“ einen Oscar gewinnen sollte, ist hier wohl als zentrales Qualitätsmerkmal zu nennen.
Da der Film auf eine große Handlung verzichtet, sind Dramaturgie und Unterhaltungswert nach modernen Maßstäben natürlich ziemlich begrenzt. So plätschert der Film vor sich hin, während das Publikum die Protagonisten beim Bootfahren, Grillen und Flirten beobachten kann. Als echter Filmliebhaber ist es natürlich lohnend, dieses Werk – gerade in der toll aufbereiteten Fassung – zu kennen. Dabei bleiben die Einflüsse, die „Menschen am Sonntag“ hatte und die Karrieren, die die Entwickler nehmen sollten, der spannende Aspekt – der reine Unterhaltungszweck ist hier hingegen zu vernachlässigen. So muss am Ende festgehalten werden, dass die handwerklichen Kniffe dieser Amateur-Produktion größten Respekt verdienen, während der arg minimalistische Inhalt (trotz knapper 74 Minuten Laufzeit) merklich Geduld vom Zuschauer einfordert, ohne diesen zu entlohnen.
Der Film ist ab dem 26.10.2018 als Mediabook mit DVD und Blu-ray erhältlich.
3,5 von 5 Punkten
Bild: Gemessen an der Tatsache, dass der Film in sehr absehbarer Zukunft seinen 90. Geburtstag feiert, sehen die Bilder erstaunlich gut aus. Auch wenn Klarheit und Kontraste stellenweise einbrechen, sind Schärfe und Detaildarstellung – besonders bei Nahaufnahmen – wirklich gut. Die Graustufen sind ordentlich herausgearbeitet und der Schwarzwert ist meistens überzeugend. Bei der Bearbeitung wurden auch die zahlreichen Bildfehler und das kräftige Rauschen deutlich reduziert. Dennoch bleiben noch genug Unsauberkeiten, um dem Film optisch Charakter zu verleihen.
4 von 5 Punkten
Ton: Die Blu-ray enthält eine DTS-HD MA 2.0 Mono-, die DVD eine Dolby Digital 2.0 Mono-Tonspur. Natürlich gibt es hier nur die durchgängig vorhandene Musik zu bestaunen. Gerade bei der Blu-ray wurde hier gute Arbeit geleistet. So gibt es durchweg eine ziemlich dynamische und sauber abgemischte Vertonung der wechselnden musikalischen Untermalungen.
3,5 von 5 Punkten
Extras: Ein simpel gehaltenes, aber gut passendes Artwork ist auf einer etwas instabil wirkenden Hülle zu finden. Im Inneren befindet sich ein 20-Seiten-Booklet mit Texten, Bildern und Zeitungsausschnitten zum Film. Die Dokumentation „Weekend am Wannsee“ (30 Minuten), Bei der Beteiligte von Produktion und Restauration zu Wort kommen, liefert interessante Hintergrund-Informationen zum Film.
3 von 5 Punkten
Gesamt: 3,5 von 5 Punkten
Quelle: YouTube-Filme
Originaltitel: | Menschen am Sonntag |
Regie: | Robert Siodmak |
Darsteller: | Erwin Splettstößer, Brigitte Borchert, Wolfgang von Waltershausen |
Genre: | Komödie, Liebesfilm, Stummfilm |
Produktionsland/-jahr: | Deutschland, 1930 |
Verleih: | Atlas Film |
Länge: | 74 Minuten |
FSK: | ab 0 Jahren |
Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Atlas Film
Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 02.11.2018
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